Rückblick auf den (fast) veganen London-Trip


Jetzt komme ich endlich mal dazu einige Dinge von meinem London-Trip aufzuarbeiten. Wir hatten während unseres Aufenthaltes nur 1x Regen (heftig und böse!!!), haben viel gesehen, gegessen und auch getrunken. I like Abbot Ale, London Pride und so manch anderes Getränk :-P

Überhaupt haben mir die Londoner Pubs sehr gefallen. In Deutschland gehe ich nie ganz selten in Kneipen. Da wird man oft von 3 alten Männern in der Ecke angestarrt und an der Eingangstür sieht man oft noch den großen BILD Aufkleber "Hier darf noch geraucht werden" ... ätzend! In London habe ich das mal richtig genossen :)

Sehr gut war natürlich auch die Kennzeichnung der Speisen in den Pubs. Selbst im kleinsten Pub wo wir waren, gab es auf der Karte, selbst wenn die nur aus einer Seite bestand, immer noch 2 Gerichte mit der (V) Kennzeichnung dahinter. Bei aller Begeisterung muss ich jedoch auch erwähnen, dass das (V) leider nur für vegetarisch steht. Darüber kann man sich natürlich ärgern, ich habe es aber eher positiv gesehen. Bei uns hier gibt es ja nicht mal diese Kennzeichnung, außer am Freitag in Dresden *staun*.

Irgendwie hatten einige Pubs, in denen wir waren, immer das gleiche Angebot, trotz unterschiedlicher Einrichtung und Aufmachung. Da muss sich eine große Kette eingekauft haben, mit all den Vor- und Nachteilen, die so etwas hat. Ich habe das nicht weiter recherchiert, weil mich das nun auch nicht so interessiert. Ein Vorteil war jedoch, irgendwo habe ich dann dieses Faltblatt entdeckt, was ihr hier im Post auszugsweise seht.


Da sind alle Vorspeisen, Salate, Hauptgerichte usw. aufgeführt mit Kalorienangaben, Fettgehalt, Allergiehinweisen und es steht sogar da, ob eine Speise vegetarisch oder vegan ist. Ja, hätte ich das mal lieber nicht gelesen ... einiges von dem, was ich vorher gegessen habe, war eben nicht immer 100%ig vegan und das will ich hier auch nicht verschweigen. So ist das manchmal unterwegs :( Ganz ehrlich, ich habe da auch kein schlechtes Gewissen. Immerhin lebe ich fast das ganze restliche Jahr vegan.

Eine kleine Geschichte am Rande. Wenn ich früher mit meinen Eltern in den Urlaub gefahren bin, hat mein Vater, ein absoluter Nichtraucher, immer geraucht. Ich war völlig entsetzt, aber er meinte: "Im Urlaub kann man ruhig all die Dinge machen, die man das ganze Jahr nicht macht". Das hat wohl Spuren bei mir hinterlassen :) Ich gehe jetzt jedoch nicht los und bestelle mir Pilze und Speck oder Rührei, ich meine eher so die kleinen unscheinbaren Dinge wie unveganes Dressing, Milcheiweiß in Quorn, oder weiße Kleckse aus irgendwas auf dem Salat. Wie haltet ihr das auf Reisen? Verhaltet ihr euch immer ethisch korrekt? Geißelt ihr euch, wenn es absolut nichts veganes gibt?

An einem Abend hatte ich auch ein "tolles" Erlebnis. Ich wollte definitiv nicht jeden Abend Salat essen, denn davon kommt auch unser Image, vom ausgemergelten und Salatblätter knabbernden Veganer. Also habe ich mir den Veggie-Burger mit Chips bestellt, natürlich ohne Käse, wollte ich zumindest. Da wurde mir aber erklärt, das geht nicht. Angeblich ist das alles schon fix und fertig, so wie ich das verstanden habe. Na toll, dann wird der wohl eingeschweißt angeliefert und nur noch in der Mikrowelle warm gemacht :( Egal, ich wieder zum Tisch zurück und in die Karte geschaut. Also doch Salat, grrr. Wieder vor und den "Superfood Salad Balsamic Vinaigrette Dressing" ausgewählt, der definitiv vegan ist. Doch der war nicht mehr da, unglaublich. Wieder zum Tisch zurück und dann habe ich mich für Chips mit Vinegar und Zwiebelringen entschieden und das war auch da und für einen Abend völlig OK.

Ich war jedenfalls glücklich, auch weil ich das mit meinen bescheidenen Englischkenntnissen alleine geregelt habe. Erschwerend kam ja hinzu, das man bei der Bestellung immer die Tischnummer angeben muss und wo saß ich? Am Tisch 33, ich glaube ihr wisst was ich meine ;) Und die absolute Krönung kam dann noch eine Stunde später, als sich herausstellte, dass die Bedienung bei der ich 3x schweißgebadet mein Essen bestellt habe deutsch konnte. Ich habe fast in die Tischkante gebissen :)

Ja, auf Reisen kann man immer was erleben. Der komplett vegane Abend beim Inder hat mich dann wieder entschädigt. Bei mir kam auch noch dazu, dass ich mit 8 Omnis unterwegs war. An jedem Restaurant, Cafe oder Pub haben die geschaut und gefragt, ob ich denn da auch was für mich finde. Das fand ich richtig toll und das hat mich wirklich beeindruckt Wenn ich dann jedes Essen und jede Speisekarte seziert hätte, keine Ahnung was dann passiert wäre??? Nach dem dritten mal hätten die vielleicht gesagt, egal wo, lasst uns reingehen, für den be..... Veganer gibt es sowieso nichts. Ich kam sicher so schon ziemlich nerdig rüber, weil ich ständig oft mein Smartphone nutze :)

Hättet ihr gesagt, oh, meine HappyCow App zeigt mir gerade, dass in 1,2 km Entfernung ein Veg-Friendly Falafel-Imbiss ist? Da findet ihr zwar "nichts", ich aber, wollen wir nicht dahin gehen? Nee, das bringe ich nicht fertig und das ist vielleicht auch gut so. Vegan leben ist schon manchmal anstrengend und im Urlaub muss man auch mal locker lassen können und sich entspannen. Ich will damit nicht sagen, ihr sollt das auch so machen, schummeln oder nachlässig sein. Ich bewundere jeden, der das konsequent und gegen alle Widerstände durchzieht! Nur ich mache das halt manchmal so, wie ich es hier beschrieben habe .... this is my way ....

Kommentare

  1. Hey, das Faltblatt habe ich auch! Das ist von der Kette "J.D. Wetherspoon" :-D

    By the way: Welcome Home, Homeveganer!

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  2. das war wieder schön geschrieben, habe mich köstlich amüsiert beim Lesen. :-)
    Und ich sehe es auch so... man tut was man kann, so gut es eben geht. Das ist immer noch besser, als ganz die Flinte ins Korn zu werfen.

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  3. Ich sehe das in Restaurants und sonst unterwegs auch nicht so eng, dass ich jetzt unbedingt darauf achten würde, dass der Essig im Dressing vegan ist... Und so komme ich auch sehr gut zurecht, ohne schlechtes Gewissen :) Liebe Grüße! Miri

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