Weltvegantag, Veggieworld in Düsseldorf und warum ich fast aufgehört hätte mit bloggen


Letztes Wochenende war ich auf der Veggieworld in Düsseldorf. Dort gab es eine Wand, wo jeder eine Veggie-Botschaft hinterlassen konnte. Die hier ist mir sofort in's Auge gesprungen und drückt fast das aus, was ich auch denke. Darum gibt es diesmal auch keine Fotos von leckerem veganen Essen, aber ich kann euch versichern, es gab genug von allem und für jeden Geschmack :) Heutzutage muss kein Neu-Vegatarier oder Veganer auf bekanntes und gewohntes wie Döner, Steak, Käse, Burger & Co verzichten. Für Genuss braucht man keine tierischen Produkte mehr! Und unter anderem wegen diesen ganzen "Ersatzprodukten", ist das eben jetzt so ein großer Trend ...

Ja, es ist ein Trend, na klar! Na und? Je mehr mit diesem Thema in Berührung kommen, umso normaler wird das doch für uns alle. Auf Arbeit sprechen mich Kollegen schon an und sagen: "In Essen ist ein veganer Supermarkt, nur für euch". Ich darauf: "Nicht nur für uns, da darfst du auch rein" :) Ein anderer weißt mich darauf hin, das es dieses Jahr sogar einen veganen Weihnachtsmarkt in Duisburg gibt. Heute vergeht doch kaum ein Tag, wo ich nicht irgendwo in einem Online- oder Printmedium einen Artikel über vegane Ernährung oder was von 4-Wochen Experimenten höre. Mir werden vegane Rezepte aus der Brigitte gemailt oder per Hangouts Fotos geschickt, wenn es irgendwo in einer Kantine oder im Restaurant veganes Essen gibt. Selbst Attila Hildman lächelt mich hier vor meiner Haustür vom Werbeplakat aus der Apothek an. Toll, aber ...

Das hat mir fast die Motivation für mein kleines Baby hier, den Homeveganer Blog geraubt. Echt! Man kann es an den zurückgegangenen Beiträgen sehen und ich denke sogar, euch da draußen im veganen Blogger-Universum ging es so ähnlich, oder? Ich kam mir fast ein wenig überflüssig vor :) Was mich jedoch immer wieder aufgebaut hat, sind die kontinuierlich steigenden Besucherzahlen und unglaublich, auch die Angebote für Partnerprogramme und Produktproben, die ich jedoch immer ablehne. Das hat mir alles fast schon Angst gemacht. Man wird fast von dem Thema erschlagen ...

Selbst in der BILD konnte man was von einem 28 Tage Experiment lesen, worauf ich hier aber auf keinen Fall verlinken werde. Denn das ist auch der Knackpunkt an dem veganen Trend. Damit können viele im Moment halt richtig Kohle machen, Onlinemedien die ihre Klickzahlen erhöhen, alle die mehr Werbung und Kochbücher verkaufen usw.. Und nächstes Jahr wird dann wieder eine andere Sau durch's Dorf getrieben. So ist das doch immer bei den Trends, oder?

Die Wikipedia schreibt dazu: "Ein Trend ist eine neue Auffassung in Gesellschaft, Wirtschaft oder Technologie, die eine neue Bewegung bzw. Marschrichtung auslöst". Und ich glaube, mit dem veganen Trend verhält es sich genauso. Das wird sich nicht mehr aufhalten oder gar umkehren lassen. Allerdings wird das Interesse der Medien nachlassen. Es werden auch wieder einige Pleite gehen, die jetzt noch denken mit veganem Essen & Lifestyle lässt sich das große Geld machen. Es wird auch keiner mehr so viele vegane Kochbücher verkaufen können, weil es dann schon gefühlte 300 auf dem Markt gibt.

Deshalb müssen wir "kleinen" Blogger weitermachen, alle die auf die Straße gehen und aufklären, Peta, Stiftungen, Sea Shepherd, einfach alle, die ich hier nicht vollständig aufzählen kann. Wir müssen immer weitermachen, damit das millionenfache Leid der Tiere nicht wieder verdrängt wird, wenn der offizielle Trend abgeblasen und durch einen neuen ersetzt wird. Denn die, die mit den Qualprodukten Geld verdienen sind ja auch nicht doof. Wenn der Absatz hier stagniert, wird nach kapitalistischer Logik halt ein neuer Absatzmarkt gesucht. Dann redet man vielleicht den Chinesen ein, dass sie viel Kalzium aus Milchprodukten brauchen, um so groß und stark wie die Europäer zu werden. Am besten von der deutschen, laktosefreien Kuh oder so.

Wir können nur immer wieder aufklären und aus dem Alltag berichten und das werde ich hier auch weiter machen. Wir selbst sind die Veränderung, wir sind der Trend. Vegan ist eben nicht nur, sich mal im Sommer 'ne vegane Wurst auf den Grill zu legen oder im hippen Großstadtlokal vegan zu essen, weil es gerade IN ist. Vegan ist eine Lebenseinstellung/Philosophie, wie der oder die Unbekannte uns hier oben mit der Veggie-Botschaft mitteilen wollte. Danke!

So, das war mein Wort zum Weltvegantag und der Blick in die Glaskugel :) Lasst euch nicht unterkriegen und zeigt der Welt da draußen, dass man richtig gut und vernünftig vegan leben kann!!!

Kommentare

  1. Ich steh dem Trend auch etwas zwiegespalten gegenüber: Auf der einen Seite freue ich mich, dass es in der Mensa (leckeres) veganes Essen gibt - Standartmäßig. Und dass ich Sojamilch im Supermarkt um die Ecke kaufen kann - ja, klar - das ist cool, denn solche Dinge machen das Leben einfacher.
    Aber ich denke, dass dort auch der "Kerngedanke" verloren geht. Das Studentenwerk (oder der Supermarkt) hat sich bestimmt nicht gedacht, dass es nun total umweltfreundlich und nachhaltig sein möchte (und deshalb ein Veganes Angebot anbietet), sondern es hat ich bestimmt einfach am Markt orientiert - mit Veganem Essen kann man grad Geld verdienen.
    Aber auf der anderen Seite sehe ich auch, dass der "kleine vegane Laden", der von Einzelpersonen mit unglaublich viel Herzblut geführt wird, diesem Druck nicht mehr standhalten kann. Wenn im Supermarkt die Sojamilch 1€ weniger kostet, als im "kleinen veganen Laden", wieso sollte ich sie nicht im Supermarkt kaufen? Ich zumindest möchte ja, dass es Veganes überall gibt, also auch im Supermarkt, deshalb möchte ich auch dort den Absatz durch meinen Konsum ankurbeln.
    Schwierig, schwierig.

    AntwortenLöschen
  2. Es bleibt echt abzuwarten, wie sich der Trend um die vegane Lebenseinstellung weiter entwickelt. Ich nutze gern die Vorteile, die dieser Trend mit sich bringt: großes Angebot, bessere Möglichkeiten zu Information und Austausch. Die Medienpräsenz erreicht viele Leute und es bleibt zu hoffen, dass Menschen sich von der positiven Idee anstecken lassen. Wahrscheinlich wird das Ganze wieder abebben, bis dahin wird aber einiges in Bewegung gebracht worden sein. Deshalb ist es auch wichtig, dass "kleine" Blogger wie Du, Ihr und ich weitermachen: Wir werden unsere Einstellung nicht ändern, und wenn die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit abebbt, ist es unsere Aufgabe, weiterhin zu informieren und zu überzeugen und Vegan in Bewegung zu halten. Irgendwann, in ferner Zukunft, werden sich die Verhältnisse verschieben, und dann haben wir unser Ziel erreicht.

    AntwortenLöschen
  3. beim "trend"-veganismus kommt allerdings oft die ethische seite zu kurz, da gehts meist nur um gesundheit und fitness (v.a. attila...), am rande wird vlt noch mal umwelt erwähnt, aber der tieraspekt bleibt eher außen vor ist mein eindruck.
    von daher finde ich es wichtig, dass man sich nicht bloß über die tollen rezepte freut, sondern auch immer wieder aufklärt.
    und dein blog ist ja wohl mal so ganz anders als das übliche vegan-super-smoothie-cookie-heiteitei was man sonst so liest; also überflüssig ist der garantiert nicht :)

    AntwortenLöschen
  4. Mach bloß weiter hier! Es gibt nicht viele Blogs dieser Art. Auf meinem habe ich das Thema (fast) fallenlassen, denn ich habe einfach keine Lust mehr auf diese immer wiederkehrenden Diskussionen über das doch so schlimme Soja (das meiste Soja nehmen ja doch die Fleischesser zu sich, was die wenigsten glauben wollen, außerdem esse/trinke ich es eher selten), über die Fleisch- und Käseersatzprodukte (na, die können wohl doch nicht drauf verzichten) bis zu den wirklich sehr abwehrenden Haltungen. Ich lebe mein veganes Leben weiter und hoffe, dass aus dem Trend eine völlig "normale" Lebensweise werden wird. Auch wenn ich aus ethischen Überzeugungen Vageren wurde, freue ich mich dennoch auch über jeden, der das aus gesundheitlichen gründen macht. Auch dadurch ist den Tieren geholfen. Und vielleicht machen diejenigen sich auch irgendwann Gedanken darüber, was den Tieren an Leid zugeführt wird.
    Liebe Grüße von Elvira

    AntwortenLöschen
  5. Wäre ein echter Verlust, wenn du aufhören würdest :-( Du bist ein unersetzlich Sympathischer :D Aber ich kann es verstehen, das Thema ist schon sehr präsent, so dass man sich irgendwie nicht mehr so gebraucht vorkommt, weil es soweiso alle naselang darüber geschrieben wird. Hab auch das Gefühl, dass generell weniger gebloggt wird? Aber das ist nur ein Eindruck. Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  6. Bei den Kochbüchern von Hildmann denke ich immer: das würde ich auch gerne mal so hinbekommen. Meine Frau hat mir jede Menge leckere vegane Zutaten in den Kühlschrank gelegt.. Jetzt versuche ich da mal etwas drausb zu zaubern Rezept! :-) Drück mir die Daumen!

    AntwortenLöschen
  7. Gute Einstellung. Wir haben ähnliche Gedanken!
    Haben aktuell auch mit verschiedenen Instagramern zusammen den #SweetveganNovember ins Leben gerufen, bei dem jeder mitmachen kann und die vegane Ernährung testen kann.
    Haben dazu bei uns auf dem Blog uach Beiträge und ein eigenes YouTube Video verlinkt!

    Viele liebe Grüße,
    Daniel und Jessi

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen