Weihnachten vegan: Rotkohl, Klöße und Seitan-Roulade


Ich mag Weihnachten!


In dieser Zeit esse ich zwar immer viel zu viel und bewege mich zu wenig, aber irgendwie muss das auch mal sein :) Im Kreise der Familie ist das einfach schööön. Und noch schöner ist es, wenn über das vegane Festtagsmenü keine Grundsatzdebatten mehr geführt werden müssen. Das war jedoch nicht immer so …..

Diesmal gab es einen Klassiker schlechthin, Rotkohl, Klöße und eine vegane Roulade. Den Rotkohl hat mein Vater selber frisch gemacht, der war total lecker. Dafür waren die veganen Rouladen für meine Mutter und mich diesmal nur fix und fertig gekauft und nicht wie im Rouladenjahr 2012 selber gemacht. Aber die waren trotzdem gut, nicht so gut gefüllt, aber hervorragend gewürzt! Das Beste war aber die Soße. Die kam komplett ohne Fertigpulver und Verdickungsmittel aus. Nur mit angebratenen Zwiebeln, Möhren, Kohlrabi, Sellerie, Piment, Rosmarin und etwas Rotwein. Und die wurde nach dem kochen nicht einfach durch ein Sieb gegossen, sondern im Mixer schön cremig püriert, hmmmmmm :)

Die anderen hatten wie jedes Jahr Ente.


Bei uns herrscht mittlerweile so eine Art Waffenstillstand, wir lassen uns gegenseitig in Ruhe. Einerseits finde ich das gut, denn nach 9 veganen Jahren bin ich auch leider etwas müde und stehe nicht mehr auf diese endlosen Diskussionen. Andererseits tut es mir auch unendlich Leid. Ich weiß so viel über Massentierhaltung, das Elend der für 10 Minuten Gaumenkitzel gequälten Kreaturen, die unfassbare Umweltzerstörung die zwangsläufig damit verbunden ist, dass ich es laut heraus schreien möchte. Doch keiner will es hören. Weihnachten und Ente ist so fest in die Gehirne gebrannt, da komme ich nur schwer dagegen an. Selbst ein einfaches “willst du mal bei mir kosten” führt nur noch dazu, dass uns ein Stück Ente hingehalten wird mit der Bemerkung “koste du doch mal hier”. Weihnachten und Ente ist fast wie das 11. Gebot von Mose oder so, wie in Beton gemeißelt. Gibt es denn keine Möglichkeit diesen Teufelskreis zu durchbrechen? Habt ihr noch eine Idee?

Ich will nicht jammern!


Es ist schon ein Fortschritt, dass es so abläuft. Früher saß mir mein Neffe mit einem Knochen im Mund gegenüber, der an den Seiten herausschaute, hat dabei gegrinst und alle haben darüber gelacht. Ich musste mir so einiges anhören ...... bis meine Mutter auch vegan mit gegessen hat. Dafür bin ich ihr sehr dankbar! Es wird definitiv einfacher, wenn man nicht der einzige vegane Mensch in der Runde ist. Sonst kann es ziemlich zermürbend sein, ich habe da alle Phasen durchlaufen. Deshalb, wenn das euer erstes veganes Weihnachtsfest ist, gebt die Hoffnung nicht auf! Auch wenn es vielleicht so abläuft wie hier in der Kolumne beschrieben:

Am Anfang sagt die Mutter noch, dass sie ihre seit 3 Monaten vegan lebende Tochter liebt und unterstützt und Weihnachten endet es dann so ...

“Sofort wird die Gans bestellt und Rotkohl geschnippelt. Wäre ja auch zu schade, darauf verzichten zu müssen. Und ehrlich gesagt: der Anblick einer saftigen und fetthaltigen Gans (sonst schmeckt sie ja nicht) lässt bei mir eher euphorische Glücksgefühle aufkommen, als der von Schiffchen mit grün-braunen Linsen-Füllungen. Und meine Tochter? Die kann ja die Beilagen essen. Ich muss ja nicht verraten, dass Rotkohl nur richtig lecker ist, wenn in Schweineschmalz gekocht.”

Krass oder?


Aber so muss es nicht immer enden, die Vegan-Kritiker irren sich da. Man muss nicht alles gleich umkrempeln. Manchmal reicht es wenige Zutaten auszutauschen. Für ein veganes Weihnachtsessen muss man auch nicht unmengen Geld ausgeben. Durch den Austausch von Kleinigkeiten können alle gemeinsam essen. Rotkohl kann man auch in veganem Griebenschmalz statt Schweineschmalz anbraten. Eine leckere selbstgemachte Soße aus Gemüse schmeckt sicher auch allen. Und die Ente tauschen die mutigen und fortschrittlichsten Menschen in der Runde einfach gegen eine der vielen pflanzlichen Alternativen aus, die es im Jahr 2015 fast überall gibt. Das kann ohne Stress ablaufen und wenn beide Seiten sich aufeinander zu bewegen, bleibt Weihnachten auch das Fest der Liebe. Wer allerdings über Linsen-Schiffchen oder ähnliches lästert muss dann auch mal ein veganes Tischgebet ertragen können :P




Menschen können sich ändern. Das ist jedoch oft ein langer Prozess, ich weiß. Bei manchen dauert es Jahre und manche ändern sich nie. Aber auch kleine Schritte führen irgendwann zum Ziel oder zumindest in diese Richtung.

Gebt die Hoffnung nie auf!!!



Kommentare

  1. Bei uns am Weihnachtstisch haben Die Gespräche über die Ernährung von meiner Schwester und mir auch irgendwann aufgehört (wir beide sind "nur" Vegetarier) - aber für Oma und Opa ist ein Leben ohne Fleisch irgendwie unvorstellbar (ja, die beiden sind schon sehr alt und für mich ist das okay, solange sie nicht nerven und das tun sie nicht mehr). :)

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    1. Man meint ja immer, ach im Alter ist das egal und nicht so wichtig und nur die Jungen sind "rebellisch" und "wollen die Welt retten". Von wegen, meine Mutter hat auch den Schritt getan und lebt fast vegan. Mein Vater will so als Kontrastprogramm GAR NICHTS davon wissen. Aber irgendwie kommen wir auch klar :)

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